Buchmesse-Gast Tschechien: Mit Klára Vlasáková benommen in den Untergang

Kultur

Plötzlich ist sie da. Über der Pfarrwiese einer mittelgroßen tschechischen Stadt schwebt eine leuchtende Kugel mit etwa drei Metern Durchmesser. Eine Erklärung für die Erscheinung – die real ist, man kann sie berühren – gibt es nicht, alle Wissenschafter beißen sich an ihr die Zähne aus. Aber darum geht es auch nicht in „Die Kugel“, dem Debütroman der in Budweis geborenen Klára Vlasáková. Der erzählt davon, was eine solche Anomalie mit Menschen und der Gesellschaft macht.

Zum Beispiel mit der Familie von Oto und Ema. Oto verliert gleich zu Beginn seinen Job – Opfer der Automatisierung. Die Reaktionen der Gekündigten sind drastisch, da ist Otos Versuch, seine Tausenden E-Mails auszudrucken, harmlos. Ist das schon eine Auswirkung der Kugel? Man weiß es nicht.

Katastrophe lässt auf sich warten

Die ist zu einer Sehenswürdigkeit geworden, zu der es die jüngste Tochter der Familie, Krystyna, zieht. Am Rückweg von dem Ausflug stürmt das Mädchen während des Tankstopps auf die Autobahn. Dank der schnellen Reaktion einer Lenkerin bleibt die Katastrophe aus.

Das ist ohnehin die treibende Kraft dieses Romans: Immer wird angedeutet, dass etwas Schreckliches passieren wird, während sich nur weiter unterschwelliger Horror ausbreitet. Die Familie nimmt die Unfallvermeiderin Lara bei sich auf, als es ihr plötzlich schlecht geht. Sie fällt, genau wie Krystyna, in eine Art Koma. Plötzlich tauchen Prediger auf, die die Kugel als Antrieb für einen gravierenden Wandel interpretieren. Es kommt zu einfach so hingenommenen Einschnitten in der Infrastruktur, die Menschen scheinen vor allem benommen zu sein. Der Konsum von Tabletten, die das Leben erträglich machen, ist normal. Dann entwickelt sich eine neue Erlösungstheorie der Grenzüberschreitung.

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Hier ist irgendwann alles in Auflösung befindlich, das soziale Gefüge genauso wie die Menschen an sich. Motive aus unserer Realität – Bedrohung durch KI, große Hitze – sind als kleine Ankerpunkte gesetzt, aber letztlich nur kleine Mitspieler in dieser Dystopie. Es dämmert einem, dass es sie gar nicht braucht für den Abwärtsweg, den die Menschen gehen. Genauso wenig wie die Kugel. Alles Ausreden, sozusagen. Das erzählt Vlasáková mit kalter, packender Sprache, sodass einem angst und bange wird.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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