Homeoffice in Österreich: „Ein klares Spannungsfeld“

Wirtschaft

Homeoffice ist fixer Bestandteil des österreichischen Berufsalltags. Das zeigt eine aktuelle Deloitte-Studie. In sieben von zehn Unternehmen können zumindest 50 Prozent der Beschäftigten regelmäßig von zu Hause aus arbeiten. „Die Entwicklung hat sich auf hohem Niveau eingependelt“, erklärt Isabella Schleifer, Director im Bereich Human Capital bei Deloitte Österreich. Vor allem in großen Organisationen hat sich ein Modell mit zwei bis drei Homeoffice-Tagen pro Woche etabliert.

Alle zwei Jahre untersucht Deloitte Österreich gemeinsam mit der Universität Graz, wie sich flexible Arbeitsmodelle in heimischen Unternehmen entwickeln. Für die aktuelle Studie wurden rund 500 Personen befragt. Das Ergebnis: Die Beschäftigten sind zufrieden – rund jeder Dritte würde aber gerne häufiger im Homeoffice arbeiten. Laut Studie beobachtet rund die Hälfte der Unternehmen auch bei Bewerbern einen gestiegenen Wunsch nach Homeoffice. Führungskräfte sind da zurückhaltender.

Noch mehr oder zu viel Homeoffice?

„Die Befragung zeigt ein klares Spannungsfeld“, sagt Bettina Kubicek, Professorin für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität Graz. Homeoffice würde sich zwar positiv auf die Arbeitgeberattraktivität, Gesundheit, Produktivität und Ergebnisorientierung auswirken – aber es werfe Fragen auf sozialer und organisationsbezogener Ebene auf. Der informelle Austausch, persönliche Kontakte und die Vernetzung innerhalb des Unternehmens würden unter Homeoffice leiden.

Flexible Arbeitsmodelle: Zeit und Ort

In der Studie wurde nicht nur örtliche, sondern auch zeitliche Flexibilität erfragt. Bekannt sind Modelle wie Gleitzeit. Deutlich weniger werden Modelle wie Sabbaticals, Job Rotation oder teilautonome Teams eingesetzt.

Ein möglicher Grund: Flexible Arbeit wird in vielen Unternehmen nur als Benefit für Beschäftigte verstanden. Neun von zehn Unternehmen sehen darin vor allem ein Angebot für ihre Beschäftigten.

  Ab Oktober: Teilen und Verkaufen von PV-Strom wird einfacher

Katrin Hintermeier, Senior Managerin im Bereich Human Capital bei Deloitte Österreich, sieht das kritisch: „Flexible Arbeit ist weit mehr als nur ein Instrument zur Mitarbeiterbindung und -gewinnung“, sagt sie. Strategisch eingesetzt könne sie neue Pools an Talenten erschließen, die Anpassungsfähigkeit von Unternehmen erhöhen und dazu beitragen, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. „Gerade vor dem Hintergrund des technologischen Wandels liegen hier Wettbewerbsvorteile, die viele Unternehmen noch nicht ausreichend nutzen“, so die Expertin.

Apropos technologischer Wandel: Auch Künstliche Intelligenz dürfte flexible Arbeitsmodelle künftig weiter verändern. Die befragten Unternehmen gehen davon aus, dass Aufgaben zunehmend zwischen Mensch und KI aufgeteilt und Arbeit stärker selbstständig organisiert wird. Das würde auch die Bewertung von Leistung verändern: Entscheidend wäre dann weniger, wie viel Zeit man im Büro verbringt, sondern welche Ergebnisse man tatsächlich erzielt.

…read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.