Zwei Söhne übernehmen Firma: So klappt der Generationswechsel

Wirtschaft

Und wer sitzt jetzt wo? Diese Frage haben alle unterschätzt. Dabei ist bei einem Generationswechsel essenziell, ob und wann der Seniorchef aus dem Chefbüro auszieht. Schließlich haben sich über viele Jahre bei Mitarbeitern und Kunden Routinen etabliert. „Wir haben entschieden, dass die Väter noch ein Jahr in ihren Büros bleiben dürfen, bevor sie sie räumen“, erzählt Moritz Schäffner, Geschäftsführer bei Ontime Logistics dem KURIER. Damit nicht alle herumsuchen müssten, sei das wichtig gewesen.

Die Betriebsübergabe bei der Speziallogistik-Firma aus Bergheim bei Salzburg war nicht alltäglich. Die beiden Firmengründer Roland Schäffner und Kurt Posch übergaben nach 25 Jahren an ihre jeweils ältesten Söhne Moritz und Tassilo. Die Söhne, 30 und 31 Jahre alt, sind nun für dieselben Geschäftsbereiche verantwortlich wie ihre Väter. Diese zogen sich als Berater zurück und teilen sich heute ein gemeinsames Büro. Die „Hofübergabe“ erfolgte rechtzeitig, gut geplant und wurde von einem professionellen Berater begleitet. Es habe keinen Druck von den Vätern gegeben, berichten die beiden Jung-Geschäftsführer dem KURIER. 

Es habe auch einen Plan B gegeben, sollten sie andere berufliche Pläne verfolgen. Wichtig war den Gründern jedoch, dass die beiden Nachfolger ihre Ausbildung abschlossen und genug Praxiserfahrungen sammelten. „Man muss es natürlich auch selbst wollen“, betont Geschäftsführer Tassilo Posch, der sich mit seinem Co-Chef auch privat gut versteht.

Corona-Schnelltests europaweit verteilt

Ontime ist ein global agierendes Spezial-Logistikunternehmen für Luft- und Seefracht sowie Express-Services und betreibt mehrere Standorte in Österreich. Ein Schwerpunkt ist neben der Automotive- und Flugzeugindustrie auch die Pharmabranche. So wurden während der Pandemie von Ontime Corona-Schnelltests per Luftfracht über den Airport Graz in die EU geliefert und europaweit verteilt. Aktuell werden 100 Mitarbeiter beschäftigt, der Umsatz betrug zuletzt 70 Mio. Euro. Die neuen Chefs wollen jetzt bei der Automatisierung und Digitalisierung Gas geben. 

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Und wie viel reden da die Väter noch mit? „Ganz wichtig ist die Rollenverteilung. Als Gründer, Vater und Berater hat mein Vater ja drei Rollen und das sollte schon getrennt werden“, sagt Moritz Schäffner, der das Luft- und Seefrachtgeschäft verantwortet, während Posch für die Straße zuständig ist. Auch wenn man sich mit den Vätern berät, „die Entscheidung treffen immer wir“.

Gelungene Firmenübergaben wirken weit über Betrieb hinaus

Gelungene Firmenübergaben wie jene bei Ontime wirken weit über den Betrieb hinaus. Sie sichern auch Arbeitsplätze, regionale Wertschöpfung und Know-how. Einer Studie der KMU Forschung Austria zufolge ergibt sich dadurch auch ein wirtschaftlicher Mehrwert: Demnach steigern elf Prozent der Firmen ihren Umsatz, 60 Prozent investieren mehr und 36 Prozent schaffen zusätzliche Jobs.

Laut Daten der Wirtschaftskammer (WKÖ) wurden im Vorjahr 8.202 Firmen übergeben, ein Plus von 5,3 Prozent und zugleich der höchste Wert seit Beginn der Erhebung im Jahr 1998. „Der neue Höchstwert ist ein starkes Signal und macht Mut für die große Nachfolgewelle, die vor uns liegt“, kommentiert WKÖ-Präsidentin Martha Schultz die Zahlen.

Pensionierungswelle: 52.000 Firmen brauchen Nachfolger

Die positive Entwicklung ist vor allem mit Blick auf die kommenden Jahre bedeutsam. Denn die Pensionsierungswelle in der Generation Babyboomer trifft auch Familienbetriebe mit voller Wucht. Bis 2034 stehen rund 52.000 Unternehmen zur Übergabe an, das ist fast jeder vierte Arbeitgeberbetrieb. In Summe geht es dabei um …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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