
Hermann Loch ist Kunstrestaurator und damit ein guter Beobachter. Auch privat hat er – als Einziger – den großen Überblick über seinen Freundeskreis.
In Judith Fantos „Der Betrachter“ muss der zehnjährige Hermann, genannt Manno, nach dem Tod seiner Mutter und Großmutter 1916 seine holländische Heimat Haarlem verlassen und kommt nach Wien zu seiner dubiosen Tante. Dort fühlt er sich zunächst einsam, bis er Béla, Franzi, Max, Bertl und Lotte kennenlernt. Dass Béla schwul ist und Max und Franzi jüdisch sind, spielt in ihren gemeinsamen Sommern zunächst keine Rolle.
Der Wiener Antisemitismus
Doch im antisemitischen Wien und spätestens mit dem „Anschluss“ tun sich Abgründe und Verrat auf. Hermann steht dazwischen, weiß mehr als die anderen, kann aber letztlich nur zusehen, wie Freundschaften und Beziehungen vor die Hunde gehen.
Die Niederländerin Judith Fanto sorgte 2020 mit ihrem viel beachteten Debütroman „Viktor“ für Aufsehen, worin sie ihrer jüdischen Wiener Familie ein Denkmal gesetzt hat. Mit „Der Betrachter“ ist ihr wieder ein Roman gelungen, der von der ersten Seite bis zum Schluss und bis zur Frage nach Vergeltung fesselt. Da sieht man auch darüber hinweg, dass mancher Charakter etwas zu holzschnittartig geraten ist.
Source:: Kurier.at – Kultur



