Jede fünfte Gemeinde ohne Nahversorger

Wirtschaft

Während in Städten die Zahl der Supermärkte und Lebensmittelgeschäfte steigt, geht sie in kleinen Gemeinden weiter zurück. In dicht besiedelten Gebieten nahm die Zahl  um rund 14 Prozent zu, in dünn besiedelten Gebieten verringerte sie sich um 3 Prozent. 

In knapp einem Fünftel oder 401 der 2.114 österreichischen Gemeinden oder Gemeindebezirken gibt es keinen Nahversorger mehr. Mehr als fünf Prozent der österreichischen Bevölkerung oder 423.000 Menschen sind laut einer am Dienstag präsentierten Studie der KMU Forschung Austria davon betroffen. Insgesamt stieg die Zahl der Lebensmittelgeschäfte in Österreich von 2021 bis 2024 um 3,6 Prozent auf über 9.100. 

Die Unterschiede nach Bundesländern sind groß. Mit 28,1 Prozent weist das Burgenland den höchsten Anteil an Gemeinden ohne Nahversorger auf, gefolgt von Oberösterreich (24 Prozent) und Tirol (22,7 Prozent). In Niederösterreich sind es immerhin 20,1 Prozent. 

Erweiterte Rahmenbedingungen notwendig

Österreich verfüge weiter über ein sehr dichtes Nahversorgungsnetz, in kleinen Gemeinden in peripheren Lagen geraten Standorte jedoch unter Druck, sagte Christian Prauchner, Obmann des Bundesgremium Lebensmittelhandel der WKÖ. Wolle man die Nahversorgung in solchen Gemeinden aufrechterhalten, brauche es entsprechende Rahmenbedingungen, damit die Geschäfte auch wirtschaftlich betrieben werden können.  

Das sei auch deshalb wichtig, da in den nächsten Jahren viele Betreiber in Pension gehen werden und es kaum Nachfolger gebe und sich Investitionen auch nicht auszahlen würden. Die Nahversorgung nur mit Förderungen aufrechtzuerhalten, sei jedenfalls nicht zielführend, sagte der Bundesgremium-Obmann. 

Wie Nahversorgung funktionieren kann

„Modelle dafür gibt es“, sagte Studienleiter Wolfgang Ziniel von der KMU Forschung Austria. Sie reichen von der Selbstbedienung außerhalb der klassischen Öffnungszeiten,  bis hin zu Kombinationen aus Kaffeehaus und Nahversorger und der Sortimentserweiterung, etwa auf Lotto- und Tabakprodukte. 

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Denkbar seien auch soziale und kommunale Dienstleistungen sowie Treffpunkt- und Veranstaltungsfunktionen, heißt es in der Studie: Durch die Bündelung mehrerer Nutzungen könnten Fixkosten verteilt und zusätzliche Kunden gewonnen werden. 

Alternativen seien auch gemeinschaftliche Trägerorganisationen, etwa Genossenschaften und Vereine, oder mobile Lösungen, etwa fahrende Geschäfte, Einkaufsbusse oder Abholstationen. 

Keine Patentlösungen

Patentlösungen gebe es keine, sagte Bundesgremiums-Geschäftsführer Wolfgang Atzmüller: Unterschiedliche Gemeinden brauchen unterschiedliche Modelle. Lösungen müssten vor Ort entwickelt werden.

Nahversorger seien auch für das soziale Leben in der Gemeinde wichtig, die emotionale Bindung sei hoch, sagte Prauchner. Viele würden auch akzeptieren, dass kleine Händler preislich nicht mit Supermärkten mithalten können: „Wenn das Umsatzpotenzial gering ist, wird es aber schwierig.“

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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