Tennessee will erstmals seit 200 Jahren eine Frau hinrichten

Politik

In der Nacht des 12. Jänner 1995 locken die 18-jährige Christa Pike, ihr damaliger Freund und eine Freundin die 19-jährige Coleen Slemmer in den abgelegenen Wald außerhalb der Jugendeinrichtung, in der sie in Tennessee leben. Dort tritt und verprügelt Pike die 19-jährige Slemmer. Auch ritzte man ihr ein Pentagramm in die Brust. Anschließend sticht Pike mit einem Cuttermesser auf sie ein und schlägt mit einem Stück Asphalt auf den Kopf ihres Opfers ein. Die Beamten finden ein paar Tage später ein Stück des Schädels bei Christa Pike.

Knapp ein Jahr nach dem Mord an Colleen Slemmer erhält Pike die Todesstrafe. Sie soll diesen Mittwoch, den 30. September, um 10 Uhr Ortszeit in Tennessee hingerichtet werden. Jetzt wird diskutiert, ob Pike heute noch dasselbe Urteil bekommen hätte.

Sexuelle Gewalt als Kind erlebt

30 Jahre hat Pike inzwischen in Isolationshaft im Gefängnis verbracht und ist mittlerweile 50 Jahre alt. Sie war damals die einzige der drei Beteiligten, die die Todesstrafe bekommen hat, weil nur sie bereits offiziell 18 Jahre alt war. Ihr damaliger Freund war 17 Jahre alt und entging der Todesstrafe automatisch – er erhielt eine lebenslange Haftstrafe mit Aussicht auf Bewährung.

Pike sei laut ihren Verteidigern psychisch versehrt und schwer krank. Sie wurde während ihrer Zeit im Gefängnis mit einer bipolaren Störung und einer post-traumatischen Belastungsstörung diagnostiziert, welche laut Pikes Anwälten ihre mentale Verfassung während des Mordes an Slemmer beeinflussten.

Als Kind wurde sie vernachlässigt und mehrfach sexuell missbraucht, unter anderem vom Partner ihrer Großmutter als sie nur zwei Jahre alt war. Pike lebte immer wieder in Jugendeinrichtungen, mit 18 Jahren zog sie für ein staatlich gefördertes Programm nach Tennessee, um dort die Ausbildung zur Pflegerin zu beginnen.

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Erste Hinrichtung einer Frau seit 200 Jahren

Es wäre die erste Hinrichtung einer Frau im US-amerikanischen Bundesstaat Tennessee seit mehr als 200 Jahren. In den USA hat sich die Debatte über Todesstrafen seither verändert. „Christa Pike würde heute wahrscheinlich nicht zum Tode verurteilt werden“, sagte Robin Maher, Direktorin des US-amerikanischen Informationszentrum zur Todesstrafe, gegenüber der New York Times. Seit den 1970er Jahren wurden in den USA nur 18 Frauen zum Tode verurteilt, im Gegensatz zu 1.663 Männern.

Pike war zum Zeitpunkt ihrer Verurteilung die jüngste Frau, die in der modernen Geschichte der USA zum Tode verurteilt wurde. Der Gouverneur von Tennessee, Bill Lee, könnte sie aufschieben oder verhindern. Einen entsprechenden Antrag von Pikes Anwälten hat er bislang abgelehnt.

Die Anwälte argumentieren, dass eine Hinrichtung durch die Giftspritze aufgrund ihrer schweren Traumatisierung für Pike psychische Folter bedeuten könnte. Zudem sei sie nach 30 Jahren Haft nicht mehr dieselbe Person wie zum Zeitpunkt der Tat.

Die Perspektive der Opferfamilie

Während Menschenrechtsorganisationen und Pikes Verteidiger für eine Umwandlung der Strafe kämpfen, fordert die Familie des Opfers seit drei Jahrzehnten Gerechtigkeit. May Martinez, die Mutter der ermordeten Colleen Slemmer, wird extra anreisen, um bei der Vollstreckung in Nashville dabei zu sein. „Niemand könnte mich davon überzeugen, dass sie sich geändert hätte“, sagt Mutter Martinez gegenüber der New York Times. Schon beim Prozess 1996 sagte die Mutter von Slemmer, dass man Pike „so bald wie möglich töten solle“.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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