
„Die Begeisterung ist leider draußen, jetzt kommt die Ernüchterung“, beschreibt ein ÖBB-Manager die Stimmung in der Staatsbahn. SPÖ-Mobilitätsminister Peter Hanke verordnete der Bahn die größte Reform seit mehr als 20 Jahren, der dafür notwendig Gesetzesentwurf wird derzeit koalitionär akkordiert.
So richtig und überfällig das Aufbrechen der einzementierten, viel zu starren Strukturen in Österreichs größtem Staatsunternehmen ist, so problematisch verläuft die Neuaufstellung. Die Geister scheiden sich vor allem bei der geplanten Aufwertung des gewerkschaftlichen Herzstücks der Bahn. Hier schlummert enormes Konfliktpotenzial.
Konkret geht es um die ÖBB-Produktion GmbH mit 7200 Mitarbeitern, darunter die Lokführer (Triebfahrzeugführer). Sowie die für die Instandhaltung zuständige Technische Services GmbH (TS). 4500 Mitarbeiter sind in den Werkstätten für die 20.000 ÖBB-Schienenfahrzeuge zuständig. Produktion und TS hängen als Töchter an den Teilkonzernen Personenverkehr und Cargo. Diese sollen, was vernünftig ist, von AGs in GmbHs umgewandelt werden und von der Holding effizienter gesteuert werden.
Aber auch Produktion und TS sollen herausgelöst werden und direkt unter die Holding kommen. Sie wären dann keine weisungsgebundenen Töchter von Personenverkehr und Cargo mehr, sondern gleichberechtigte Schwestern. Was in der Belegschaft von Personenverkehr und Cargo heftig kritisiert wird. Die Lokführer würden an Einfluss im milliardenschweren, 45.000 Mitarbeiter großen Bahnkonzern stark aufgewertet.
Produktion und TS sind allerdings Dienstleister und müssen die Aufträge von Personenverkehr und Cargo abwickeln. „Das ist ein aufgelegter Blödsinn und birgt enormes Konfliktpotenzial. Heute sind Personenverkehr und Cargo Gesamtanbieter, künftig nur noch Vertriebsfirmen. Außer der kostenmäßig viel teureren Schweiz hat das kein EU-Land so organisiert“, erklärt ein weiterer Bahnmanager.
„Geplant ist, neben der Umwandlung der ÖBB-Personenverkehr AG und der Rail Cargo Austria AG in GmbHs, den bahnproduktionellen Bereich neu im Konzern aufzustellen und der ÖBB-Holding AG eine stärkere Steuerungsfunktion zukommen zu lassen“, kalmiert ÖBB-Sprecher Peter Thier. Es gehe letztlich auch darum, Doppelgleisigkeiten zu bereinigen. Geplantes Inkrafttreten der Reform sei das erste Quartal 2027.
Durch die Hintertüre
Die Gewerkschaft vida unter dem mächtigen ÖBB-Betriebsratschef Roman Hebenstreit träumt außerdem schon seit Jahren von einem Lokpool für Drittanbieter. „Die ÖBB-Produktion ist jetzt schon viel zu teuer und weit weg von Marktpreisen“, meint dazu ein externer Bahn-Experte skeptisch.
Nicht gelöst wird mit der Bahnreform das Problem des Güterverkehrs Cargo, der zuletzt schon 135 Verlustmillionen einfuhr und auf den wirtschaftlichen Abgrund zusteuert. Buchhalterisch könnte die neue Struktur das Cargo-Problem um zwei bis drei Jahre hinausschieben, denn die Holding müsste der Cargo die Loks abkaufen. Könnte aber vom Wirtschaftsprüfer als verbotene Einlagenrückgewähr beurteilt werden.
Der Einfluss der Gewerkschaft zeigt sich auch personell. Eine bemerkenswerte Postenbesetzung fand im 2025 neu bestellten Aufsichtsrat statt.
Dort führe, hört man aus dem Gremium, Matthias Moser das große Wort.
Moser war einst Geschäftsführer eben jener Technischen Services, über die heute gestritten wird. Holding-Chef Andreas Matthä soll ihm 2019 empfohlen haben, erzählt man in den ÖBB, sich einen neuen Job zu suchen. Wenige Wochen später hievte ihn die Gewerkschaft als Geschäftsführer in die WBG, die Wohnbaugesellschaft der Bundesbahnen, sprich Eisenbahner. Moser ist heute in der gemeinnützigen Wohnbauszene fest verankert und außerdem Aufsichtsratsvorsitzender der Beamtenversicherung.
Seit 2025 sitzt Moser, der durchaus als gewerkschaftsnah bezeichnet werden kann, im Aufsichtsrat der ÖBB-Holding. Und zwar als Kapitalvertreter. Zuletzt gab es …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



