
Der börsennotierte oberösterreichische Leichtmetallkonzern AMAG Austria Metall AG mit Sitz in Ranshofen ist einer der größten Aluminiumrecycler in Europa. Mit rund 2.200 Mitarbeitern ist die AMAG auch einer der wichtigsten Arbeitgeber in der Region.
KURIER: Sie sind seit 2019 im Vorstand der AMAG, nun sind Sie seit Mai 2026 Vorstandschef. Was waren Ihre Prioritäten in den ersten 100 Tagen?
Victor Breguncci: Die ersten 100 Tage waren geprägt vom Zuhören und Beobachten. Ich war seit 2019 als Chief Sales Officer hauptsächlich bei den Kunden. Nach meiner Ernennung zum CEO war meine größte Priorität, Zeit innerhalb der AMAG zu verbringen. Ich habe mit Teams gesprochen, mit denen ich zuvor wenig Kontakt hatte – Betriebsabläufe, Produktion, Finanzen, F&E, Recycling. Sie mussten sehen, wer der neue CEO ist, woran ich glaube und welche Positionierung ich für das Unternehmen habe. Zweitens habe ich Zeit mit den Aktionären verbracht, um ihr Mandat zu verstehen. Und drittens mit meinen Vorstandskollegen, um zu klären: Wo kommen wir her, und wohin gehen wir?
Sie übernehmen in turbulenten Zeiten – Ukraine-Krieg, Nahost-Konflikt, volatile Aluminiumpreise, Energiekrise. Was beschäftigt Sie am meisten?
Diese Turbulenzen werden nicht so schnell verschwinden. Meine Priorität ist es, die aktuelle Situation zu bewältigen und klar an Team, Kunden und Aktionäre zu kommunizieren. Besonders die Energiekosten beeinflussen uns stark. Der Erdgaspreis ist in Europa auf das Drei- bis Vierfache gestiegen, hat sich aber stabilisiert. Beim Strom wird es schwieriger – jedes Land hat unterschiedliche Subventionen und Zugangsbedingungen. Die unterschiedliche Wettbewerbsfähigkeit zwischen den Ländern ist ein sehr wichtiger Faktor. Aber die AMAG ist gut positioniert: Wir haben technologiegetriebene Produkte und eine starke Belegschaft. In Ranshofen sind wir als Team vereint. Ich habe großes Vertrauen in das Team und bin zuversichtlich, dass wir unsere Ziele erreichen werden.
Wie wirkt sich der Abschwung in der Automobilindustrie auf Ihr Geschäft aus?
Wir haben ein sehr vielfältiges Kundenportfolio – unter anderem Luft- und Raumfahrt, Automotive, Wärmetauscher, Verpackung, Konsumgüter. Das ermöglicht es uns, Schwankungen besser abzufedern. Im Automotive-Bereich erleben wir schwierige Momente, aber unsere strategische Ausrichtung war von Anfang an auf Diversität über verschiedene Kundensegmente angelegt. Der Aluminiumanteil in Autos der Kompakt- und Mittelklasse steigt sehr schnell. Wir haben die richtigen Kunden und Plattformen gewählt. Die Halbjahreszahlen 2026 haben klar gezeigt, dass wir im Automobilbereich beachtliche Zuwächse verzeichneten. Die Fähigkeit, verschiedene Plattformen, Produktmixe und Regionen zu bedienen, ermöglicht es uns zu wachsen.
Welche Vorteile sehen Sie in Österreich als Wirtschaftsstandort?
Ich habe in sieben Ländern gelebt und gearbeitet. Österreich hat die Fähigkeit, hoch entwickelte Produkte zu produzieren. Was mich anzieht, ist der Zugang zu Know-how, technologisch fähigen Organisationen und qualifizierten Arbeitskräften. Die Menschen hier können mit der Komplexität hoch entwickelter Anlagen umgehen und sehr anspruchsvolle Märkte bedienen – Luft- und Raumfahrt, Weltraum, Sportausrüstung, industrielle Anwendungen. Die Fähigkeit, in hoher Qualität pünktlich zu produzieren, ist eine Stärke des Standorts, in den wir eingebettet sind. Österreich gibt uns die Chance, in diesen Segmenten erfolgreich zu sein.
Gibt es auch eine Kehrseite?
Würden wir ausschließlich Standard-Aluminiumprodukte (Commodities) herstellen, wäre es deutlich schwieriger, im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Österreich gibt uns aber die Chance, anspruchsvolle Produkte herzustellen – …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



