Theater am Werk: Und wieder war’s die Fledermaus -ein Singspiel über das Ende der Menschheit.

Kultur

Der Hund nervt schon, bevor die ersten Patienten kommen. Eine lethargische Schildkröte, ein verfressener Igel, ein hysterisches Meerschweinchen. Ein gewöhnlicher Tag in der Praxis von Tierärztin Maria. Und doch ist irgendetwas anders. Es brodelt. Ein Aufstand bereitet sich vor. Die Tiere planen ein Blackout. Sie wollen ein Virus in die Welt setzen, um die Menschheit auszurotten. Drahtzieherin: Eine durchtriebene Fledermaus namens Rocky. Verpackt wird diese absurd anmutende Story in ein Singspiel. Operettenhaft ist hier allerdings gar nichts. Bei allem Humor, den „Maria und die Fledermaus“, uraufgeführt am Freitag im Theater am Werk hat: Die Angst vor dem Weltuntergang wird hier nicht verblödelt. Die hier anwesenden singenden und sprechenden Tiere sind von einer überzeugenden Dringlichkeit, wenn sie mahnen: „Es gibt gewisse Probleme mit der Menschheit.“ Und das leugnet nicht einmal der einzige Mensch unter den Anwesenden, die Tierärztin.

Autor Johannes Schrettle hat sich mit seinem Musical „Horses“ bereits einen Namen gemacht mit Sujets, die für eine musikalische Revue überraschend wirken.Ging es in „Horses“ um Themen wie Flüchtlingskrise und Rechtsextremismus, stehen nun Klimawandel und das Scheitern der Menschheit insgesamt auf dem Programm. Gemeinsam mit Martin Hemmer und Imre Lichtenberger Bozoki (Musik) deutet er eine sich vorbereitende Apokalypse an. Das gelingt erstaunlicherweise. Vielleicht auch, weil man, trotz des großen thematischen Rahmens, nicht übertreibt. Die spärliche Kulisse (Bühne und Licht: Monika Kovačević) besteht aus einem Klavier, einer Orgel, etwas Rauch und ein paar Gläsern, die Arztutensilien andeuten, sowie einer sprechenden und singenden Lampe (schön schräg: Sebastian Hiti). Alles hier wirkt sehr konzentriert. Daran, dass sich etwas ändern muss, zweifelt niemand. Außer vielleicht Marias Expartner Imre (Imre Lichtenberger Bozoki), der am Ende auftaucht und, gemeinsam mit seinem Hund, alle beim Magistrat vernadern will.

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Die Musik hat stellenweise echtes Schlagerpotenzial. Immer wieder wird Bernsteins Westside Story angedeutet („Maria“), und dabei wird herrlicher Unsinn geschmettert: „Vielleicht bin ich bald tot, ich weiß nicht viel, ich riech nach Kot“. 

Das Bühnenpersonal macht seine Sache durch die Bank hervorragend. Michaela Bilgeri ist Tierärztin Maria, die sich glaubwürdig des Versagens der Menschheit bewusst ist; Martin Hammer als schlitzohriger Hund Zuki, der weiß, wie man den Zweibeinern etwas vormacht, Suse Lichtenberger, die blitzschnell zwischen geschwätzigem Igel und verschlafener, zugleich hellsichtiger Schildkröte wechselt. In mehreren Rollen überzeugt auch Alice Peterhans, allen voran als hysterisches Meerschweinchen Johnny- der „Bruder“ von Barbi Marković: Die Schriftstellerin hat für den Abend einen Text geschrieben, anrührend und skurril, wie man es von ihr kennt. Er wird von Meerschweinchen Johnny vorgetragen. Ansonsten wird fast alles hier gesungen, und das in einer meist außerordentlichen Qualität: Lucia Miorin überzeugt als Flughundfledermaushybrid René. Begleitet wird die Show von Valeria Lanner an der Hammond Orgel und Anna Maria Schnabl am Klavier. 

Ein wilder, witziger Abend, dem man höchstens die doch sehr ambitionierte Länge von 150 Minuten vorwerfen kann. Ansonsten gilt: Die Dinge sind zu ernst, um sie nicht besingen zu können. 

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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