3820 Chats liegen vor: Weißmann sieht „völlig neues Licht“ auf Rücktritts-Causa

Kultur

Der ehemalige ORF-Chef Roland Weißmann geht in der Causa rund um sein Ausscheiden aus dem ORF wieder in die Offensive: In einem Brief an die ORF-Stiftungsräte und ORF-Chefin Ingrid Thurnher verweist er laut Stiftungsratskreisen auf eine „neue Faktenlage“. Dies begründet Weißmann mit dem Vorliegen des vollständigen Chatverlaufs zwischen ihm und der Mitarbeiterin, der bisher nur auszugsweise bekannt war. Er habe daher einen Antrag an die ORF-Compliance gestellt und um Neubewertung des gesamten Sachverhalts ersucht, heißt es.

Der Hintergrund: Im April wurde bekannt, dass Ermittlungen gegen jene Frau aufgenommen wurden, die Weißmann Fehlverhalten ihr gegenüber vorwirft. Und auch gegen deren Anwalt unter anderem wegen des Verdachts der schweren Erpressung.

Nun liegen Weißmann nach einem Zwischenbericht dieser Ermittlungen „3.820 wechselseitig ausgetauschte Chatnachrichten“ (zwischen Weißmann und der Mitarbeiterin, deren Handy inzwischen beschlagnahmt wurde, Anm.) vor. „Das Bild hat sich mit Vorliegen der Fakten fundamental zulasten der ORF Mitarbeiterin, ihrer Mithelfer, aber auch des ORF gewendet“, schreibt Weißmann nun. Und „die Auswertungen werfen zudem ein erstes Schlaglicht auf die durch wirtschaftliche Abhängigkeit geprägte langjährige Beziehung der Mitarbeiterin zu ihrem Vorgesetzten im ORF.“ Zwar wolle er über dessen Motivlage „nicht spekulieren“, benennt aber einen „Anschein unangemessenen Verhaltens“ bei diesem.

Damit spielt Weißmann ohne Namensnennung auf Pius Strobl an, dessen Name früh in der Causa auftauchte. Strobl und die Mitarbeiterin haben entsprechende Vorwürfe mehrfach zurückgewiesen. „Nein, es ist nicht korrekt und NEIN und NEIN“, sagte Strobl damals im KURIER zu Spekulationen über ein Naheverhältnis der beiden.

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Einsichtnahme

Weißmann kritisiert nun erneut die Stiftungsratsspitze, die zum Zeitpunkt seines Ausscheidens aus Heinz Lederer und dem mittlerweile ausgeschiedenen Gregor Schütze bestand. Weißmann sei unter Druck gesetzt worden, bevor die Fakten bekannt gewesen seien. Er bietet dem Stiftungsrat und der Generaldirektorin an, dass diese via Anwalt „persönlich Einsicht in den bisherigen Ermittlungsstand“ nehmen.

Die Causa Weißmann beschäftigt nicht nur das Medienhaus selbst. Nach dem Ausscheiden des ehemaligen Generals brachen mehrere andere Fronten im Haus auf, der ORF stand wegen des Führungsstiles im Haus im Kreuzfeuer der Kritik. Seither sind auch u. a. Werbechef Oliver Böhm und der Leiter von ORF III, Peter Schöber, aus dem Haus ausgeschieden. Die Causa Weißmann hatte dabei viele Facetten, die vom Vorwurf der „sexuellen Belästigung“, den Weißmann stets zurückwies, bis zu angeblichen persönlichen Animositäten zwischen Weißmann und Strobl reichen.

Dabei geht es nicht zuletzt um eine Pensionsregelung zugunsten Strobls, die dieser einforderte, die aber vom ORF abgelehnt wird. Strobl hat angekündigt, diese nach seinem Pensionsantritt mit dem Jahreswechsel einklagen zu wollen.

Die damalige Stiftungsratsspitze hat wiederum mehrfach zurückgewiesen, rund um das Ausscheiden Weißmanns nicht regelkonform gehandelt zu haben.

Weißmann und die ORF-Mitarbeiterin haben sich auch in Interviews zur Causa gemeldet, Chatnachrichten zwischen den beiden wurden öffentlich gemacht. Für Weißmann geht es dabei auch um viel Geld, das er in mehreren Prozessen gegen den ORF einklagt.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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