Bringt die EU endlich Regeln? Was sich Montenegro vom Beitritt erhofft

Politik

Nicht viel los an diesem sonnigen Herbsttag im Hafen von Bar. Die paar Arbeiter, die sich gemeinsam mit dem einzigen Kran an einem türkischen Frachtschiff zu schaffen machen, scheinen sich mit den paar Drahtrollen eher die Zeit vertreiben. „Derzeit bringen wir es maximal auf 50 Prozent Auslastung“, kommentiert Dedo Jelovic mit viel Melancholie in der Stimme die beschauliche Szenerie vor seinen Augen. „Ein Hafen für ganz Jugoslawien sollte das einst werden“, kramt der altgediente Vize-Direktor der Anlage ein bisschen Geschichte aus seinen Erinnerungen, „aber dann ist dieses Jugoslawien zerbrochen – und wir blieben übrig. Ein kleiner Hafen in einem kleinen Land sei man heute, die Frächter in Belgrad, die würden ihre Lkw lieber zu den großen Häfen in Griechenland schicken.

Viel bunter als die leeren Betonflächen und voll mit vielversprechenden Zahlen sind die Unterlagen, die man in der Direktion bereithält. Neues Hafenbecken, neue Technik, neue Docks für Kreuzfahrer – und in beinahe jeder Rechnung steckt Geld, das man sich aus Brüssel erhofft. Wenn dann einmal der EU-Beitritt Wirklichkeit wird. Jahrzehnte, wie all die anderen Nachbarn auf dem Balkan auch, hat man sich brav für diesen Beitritt angestellt. Jetzt aber soll es wirklich so weit sein. Das Regelbuch der EU hat man mit Hochdruck in den vergangenen Jahren Kapitel für Kapitel abgearbeitet. Ende dieses Jahres will man damit fertig sein, für dieses Ziel hat Montenegro alles andere hintangestellt, sogar die chronischen Kleinkriege, die die Politik täglich bestimmen.

„Auf die EU, und den Beitritt, darauf können sich eigentlich alle einigen“, erzählen ein Abgeordneter der Regierungskoalition und einer der Opposition fast im Duett einer Journalistenrunde aus ganz Europa. Die Hoffnung, von Europa und seinen Fördergeldern für wirtschaftlich schwache Regionen aus dem Dornröschenschlag geweckt zu werden, hat Politik und Wirtschaft dieses Landes erfasst. Unternehmer, die offen eingestehen, dass „die ganze Struktur der Wirtschaft in diesem Land sehr schlecht ist“, hoffen nicht nur auf das Geld, sondern oft auch auf das Regelwerk der EU.

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Strengere Regeln könnte dieses Land sehr gut gebrauchen, hört man von vielen, die hier mit einer Verwaltung kämpfen, die selten die Interessen der Bürger und viel öfter jene einflussreicher Gruppen bedient – und die arbeiten alle auf ihre eigene Rechnung und gegeneinander. Die Einigkeit, die jetzt die politischen Parteien erfasst habe, sei nur an der Oberfläche. In der wild durcheinandergewürfelten Zehn-Parteien-Koalition, die derzeit das Land durch die EU-Beitrittsverhandlungen führt, gibt es Parteien, die die serbische Bevölkerung Montenegros vertreten, das ist immerhin rund ein Drittel der gerade einmal 600.000 Menschen, die im Land leben. Viele der serbischen Politiker würden eher darauf hören, was Belgrad sagt, als darauf, was in der eigenen Hauptstadt, Podgorica, entschieden werde. Ihre Gegner nennen sie „Serbiens Trojanische Pferde“ – und die würden dann mit dem Beitritt in die EU einrollen.

„Es geht den Politikern nur um ihre Clans“

Viele Bürger kümmern sich kaum noch um das chaotische Hin und Her all dieser politischen Gruppen und Interessen. Um Ideologie ginge es da ohnehin nicht, sondern nur um den persönlichen Vorteil der Politiker und ihrer Clans. Man hofft darauf, dass die EU bald genauer hinschaut, dass die Gesetze, …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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