Ex-Direktorin Schrodt: „Der Leistungsaspekt ist manchen suspekt“

Politik

Die ehemalige AHS-Direktorin Heidi Schrodt hat auch im Ruhestand nie aufgehört, sich um ein besseres Bildungssystem zu bemühen. Wie sieht sie die Reformversuche von Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos), was haben die Londoner Schulen unseren voraus – und was macht eigentlich eine gute Schule aus?

KURIER: Warum sind Sie Lehrerin geworden?

Heidi Schrodt: Eigentlich wollte ich gar nicht Lehrerin werden. Ich habe Germanistik und Anglistik studiert und wollte dissertieren. Meine Mutter bestand vorher auf dem Probejahr an einer Schule, das gibt es heute nicht mehr. Ich kam in ein neu eröffnetes Gymnasium in Favoriten, es gab damals einen Lehrermangel, und es hat mir so gut gefallen, dass ich geblieben bin.

Was hat Ihnen an dem Beruf gefallen – und würden Sie es wieder machen?

Der Umgang mit den Schülerinnen und Schülern, das Vermitteln von Wissen. Ich würde den Beruf sicher wieder ergreifen. Selbst als Direktorin habe ich noch weiter unterrichtet.

Was braucht man neben dem Fachwissen, um ein guter Pädagoge zu sein?

Man muss jedenfalls Kinder mögen, um in diesen Beruf zu gehen. Quereinsteiger sehe ich eigentlich nur als Übergangslösung mit Ausnahme der Organisation „Teach for Austria“. Die haben eine strenge Auswahl, zwei Jahre Vorbereitung, und ein permanentes Coaching.

Das Bildungsministerium hat sich sehr um Quereinsteiger bemüht. Sie wirken da nicht ganz glücklich – was stört Sie an Quereinsteigern?

Die Praxisausbildung ist sicher nicht intensiv genug. Gerade an den herausfordernden Mittelschulen braucht es starke Nerven und eine spezielle Ausbildung. Wie gehe ich mit Gewalt um, wie mit radikalen Islamisten? Wie das geht, wird aber ehrlicherweise auch an den Pädagogischen Hochschulen viel zu wenig vermittelt.

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Wir haben rund 120.000 Lehrer in Österreich. Gibt es aus Ihrer Sicht auch Ungeeignete?

Ja, das ist sicher auch ein großes Problem. Ich bin ja eine Anhängerin des finnischen Systems: Dort werden nur etwa acht Prozent der Bewerber genommen, früher waren es zehn Prozent.

Bei uns haben einige Pädagogische Hochschulen inzwischen mehr Anmeldungen als Plätze und können auswählen. Können wir auch von den Finnen lernen?

Ein Beispiel: Ein wesentlicher Teil der Auswahl betrifft die Frage, wie künftige Pädagogen mit Stresssituationen umgehen. Außerdem ist die Achtung in der Gesellschaft sehr hoch für Pädagogen.

Wir haben ein teures Schulsystem, die Ergebnisse sind oft ernüchternd. Wie kann man verstehen, warum so viele Schulabgänger nicht sinnerfassend lesen können?

Das Problem beginnt eigentlich schon im Kindergarten: Die Gruppen sind zu groß, es fehlt Personal, vor allem Erstsprachen- und Deutschlehrkräfte. Zudem kommt, dass viele Kinder inzwischen weder ihre Erstsprache noch Deutsch richtig beherrschen. Denn wenn die Volksschule beginnt, ist es eigentlich schon zu spät. Natürlich können diese Defizite aufgeholt werden, aber dafür braucht man viel Personal und sehr viel Zeit. Dabei gibt es gute Beispiele, wie es besser ginge – in Norwegen gibt es aufsuchende Elternarbeit von klein auf.

Was sollte man aus Ihrer Erfahrung bei uns machen?

Das Handyverbot an den Schulen ist sicher eine richtige Maßnahme. Wir müssen wohl auch die Eltern wieder viel mehr in die Schulen hereinholen. Unter anderem wären Kleingruppen für Kinder sinnvoll, die nicht sinnerfassend lesen können.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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