Der tiefe Fall des diskreten Herrn Hanning

Politik

In deutschen Sicherheitskreisen reibt sich auch am Mittwoch noch so mancher die Augen, was da rund um die Festnahme von August Hanning, dem früheren Chef des deutschen Auslandsgeheimdienstes BND, so alles ans Licht kommt.

Bei dem mittlerweile 80-jährigen Hanning, für den Spiegel der „diskrete Herr mit dem schlichten Brillengestell“, wurden bei Hausdurchsuchungen gut 2.000 Dokumente gefunden, die er nicht hätte besitzen dürfen. Viele Unterlagen davon als geheim und nur für die interne Verwendung eingestuft.

Der Chef-Spion soll sich nach seiner steilen Beamtenkarriere über seinen früheren Büroleiter gegen Geld jahrelang Informationen beschafft haben, die unter anderem für die wöchentliche, streng geheime Lagebesprechung des BND im Berliner Kanzleramt gedacht sind. Diese Dokumente soll Hanning als Sicherheitsberater in der Pension genutzt haben. Mutmaßlich dürfte er Staatsgeheimnisse sogar „gewinnbringend verwertet“ haben, wie es heißt. Außerdem dürfte er laut den Ermittlern sensible Informationen mit einem Mitarbeiter eines ausländischen, Deutschland nicht freundlich gesonnenen Geheimdienstes ausgetauscht haben – im Raum steht Aserbaidschan.

Bei den beschlagnahmten Unterlagen soll es sich laut Recherchen um teilweise äußerst sensible Berichte handeln, etwa zum iranischen Atomprogramm oder zur russischen Armee. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen sollen darunter auch Informationen ausländischer Partnerdienste sein.

Ein Abfluss solchen Materials gilt in Spionagekreisen als Super-GAU. Die internationalen Partner des BND seien höchst alarmiert, berichtet etwa die Financial Times. Dort heißt es: „Kaum eine Woche, nachdem die Abgeordneten im Deutschen Bundestag begonnen hatten, über ein neues Gesetz zu beraten, das dem Auslandsgeheimdienst des Landes weitreichende neue Befugnisse einräumen soll, sorgten Strafverfolger für eine Sensation: die Nachricht von einem der größten Sicherheitsverstöße in der Geschichte des Bundesnachrichtendienstes. Begangen, so der Vorwurf, von dessen ehemaligem Chef.“

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Speziell die Aufbewahrung von Geheimmaterial in ungesicherter Form in einer Privatwohnung – oder schlimmer noch, in digitaler Form auf privaten Geräten, die gehackt werden könnten – soll Sicherheitsexperten schockiert haben.

In U-Haft

Die Vorwürfe gegen Hanning wiegen tatsächlich schwer und könnten im Falle einer Verurteilung zu einer hohen Freiheitsstrafe führen. Konkret ermittelt der Generalbundesanwalt gegen den früheren Spitzenbeamten wegen des Verdachts der „landesverräterischen Ausspähung, des Auskundschaftens von Staatsgeheimnissen, des versuchten Landesverrats und geheimdienstlicher Agententätigkeit“.

Am Mittwoch wurde Hanning dem Haftrichter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe vorgeführt. Dieser verhängte über ihn U-Haft. Sein früherer Büroleiter und mögliche Komplize war ebenfalls am Dienstag festgenommen worden. 

Die Verbindung zum Fall Block

Der Skandal fällt ausgerechnet in eine Zeit der drastisch veränderten, hybriden Bedrohungslage, vor der der amtierende BND-Präsident Martin Jäger erst am Montag gewarnt hat. Aufgeflogen ist die Affäre freilich in gänzlich anderem Zusammenhang. Nämlich als sogenannter „Beifang“ im Zuge der Ermittlungen zur mutmaßlichen Kindesentführung der Hamburger Unternehmerin Christina Block. 

Block und ihr Partner, der frühere Moderator der Sportschau im deutschen TV, Gerhard Delling, stehen seit Monaten vor Gericht, Ende Oktober wird ein Urteil erwartet. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.

Hanning und ein pensionierter LKA-Beamter stehen im Verdacht, im Jahr 2022 als Verantwortliche einer Sicherheitsfirma einen Auftrag von Christina Block angenommen zu haben, um einen früheren, gescheiterten Entführungsversuch der Kinder aus Dänemark umzusetzen. Zudem wird ihm vorgeworfen, er habe Blocks Ex-Mann gefälschtes kinderpornografisches Material unterschieben wollen, um diesen zu diskreditieren. Hanning selbst bestreitet sämtliche Vorwürfe und ist in diesem …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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