7. Oktober in Israel: „Wir werden niemals vergessen, was hier passiert ist“

Politik

Auf dem Highway 1, der in Israel von Tel Aviv nach Jerusalem führt, reihen sich Autos mit israelischen Flaggen aneinander. In den sonst schon dichten Verkehr mischt sich an diesem Mittwoch ein gewaltiger Konvoi. „7. Oktober, kein Vergeben“, steht auf den Plakaten, die an die Autofenster geklebt sind. 

Erinnert wird damit an den Hamas-Überfall auf Israel vor genau drei Jahren. Die Terroristen töteten damals rund 1.200 Menschen und verschleppten 251 weitere in den Gazastreifen. Es war der blutigste Tag in der Geschichte Israels.  

Rund 400 Zeremonien und Gedenkveranstaltungen erinnerten am Mittwoch im ganzen Land daran. Die ersten begannen um 6.29 Uhr morgens, also genau zu jener Minute, in der Hamas-Kämpfer damals den Zaun zum Gazastreifen durchbrachen und in den Kibbuzim im Süden stundenlang ein Massaker anrichteten.

Wer heute mit Israelis über diesen Tag spricht, erfährt sofort, wo das Gegenüber an jenem Oktobermorgen war. Jeder weiß noch genau, wo und wie er die Nachrichten mit Entsetzen verfolgte oder später von Tod oder Entführung  erfuhr. „Wir sind ein kleines Land. Jeder kennt jemanden, der betroffen war“, schildert ein Mann in Tel Aviv.

Israel hat sich verändert

Seitdem hat sich viel verändert: Nach einem langen Kampf der Angehörigen werden heute keine Israelis mehr im Gazastreifen festgehalten. Die sterblichen Überreste der letzten israelischen Geisel wurden im Jänner geborgen. Seit fast einem Jahr gilt offiziell ein Waffenstillstand im Gazastreifen, wo Israel als Reaktion auf den Terror massive Angriffe durchführte. Mehr als 74.200 Menschen wurden dabei getötet. Wie die israelischen Streitkräfte mitteilen, wurden seit der Attacke vor drei Jahren 65.000 Ziele im Gazastreifen getroffen – auch am Mittwoch.

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International ist Israel heute deswegen isolierter, auch von europäischen Partnern kommt Kritik. Zugleich hat der Antisemitismus weltweit zugenommen.  „Vor dem 7. Oktober hatte ich nie Angst, im Ausland Vorträge zu halten“, sagt eine Tech-Unternehmerin in einem Restaurant in Tel Aviv. Seitdem habe es jedoch Zwischenfälle gegeben. Vorerst trete sie nur noch in Israel auf.

Der dritte Gedenktag findet auch in einem gesellschaftlich stark veränderten Israel statt. Große Teile der Bevölkerung sind nach dem 7. Oktober nach rechts gerückt. „Positionen, die früher als extrem rechts galten, sind heute Mainstream“, sagt Danny Citrinowicz vom Institute for National Security Studies (INSS), dem größten Thinktank in Israel. 

Der Spielraum für Kritik sei kleiner geworden. Das habe etwa die Reaktion auf den Film „Naza“ gezeigt, in der schwere Vorwürfe gegen Israels Kriegsführung erhoben werden.  „Sie zeigt, dass wir Kritik nicht ertragen. Wir sind keine tolerante Gesellschaft mehr.“ Wer heute die Zweistaatenlösung fordert, werde als Verräter gesehen, sagt er.

Die meisten Veranstaltungen am Mittwoch wurden von Organisationen ausgerichtet, die Überlebende und Angehörige vertreten. Ein zentraler Schauplatz war das Nova-Festival-Memorial nur wenige Kilometer vom Gazastreifen entfernt, wo vor drei Jahren 378 Menschen ermordet und 44 verschleppt wurden. Ausgebrannte Wracks ihrer Autos wurden zu einer Kundgebung vor der Knesset in Jerusalem gebracht. 

In Tel Aviv wurde während einer Schweigeminute die Stadtautobahn blockiert; am Dizengoff-Platz färbten Protestierende den Brunnen rot ein. Regierungskritische Gruppen zogen zudem vor die Häuser von Politikern, etwa vor die Residenz von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Sie fordern die Einsetzung einer staatlichen Untersuchungskommission zum …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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