
Die Würfel sind gefallen, es ist fix, wer die Salzburger Festspiele ab 2028 leiten soll. Und dennoch steht die Letztentscheidung noch nicht fest, weil es sich bei den Vertragsverhandlungen (Gagen, Spesen etc.) nun schon seit einigen Tagen spießt. Daher gibt es auch diese Woche nicht, wie vorgesehen, die Präsentation der neuen Intendanz.
Man darf aber davon ausgehen, dass es letztlich zu dem kommt, was auch die Findungskommission (Christian Kircher, Franz Welser-Möst, Nora Schmid, Sonja Anders) nach zahlreichen Hearings dem Kuratorium vorgeschlagen hatte. Dieses hatte bekanntermaßen Markus Hinterhäuser im Frühling aus dem Amt bugsiert und Karin Bergmann mit der interimistischen Nachfolge betreut.
Aus den Niederlanden
Wie sieht nun die Lösung aus, die in Salzburg niemand kommentiert und schon gar nicht bestätigt, die der KURIER aber aus bester Quelle erfuhr: Sophie de Lint, 1974 in Rotterdam geboren, seit 2018 Chefin der Niederländischen Nationaloper in Amsterdam, wird – sofern sich bei den Vertragshandlungen nicht alles doch noch einmal zerschlägt – Intendantin der Festspiele. Sie hat in den Niederlanden ein solides Programm gemacht, konnte aber an die internationalen Erfolge ihres Vorgängers Pierre Audi nicht anschließen. Sie wuchs in der Schweiz auf, studierte Violine und hat auch einen Studienabschluss in Wirtschaft.
Unter Andreas Homoki arbeitete sie als künstlerische Direktorin an der Oper in Zürich. Sie war schon mehrfach für renommierte Positionen im Gespräch, hatte bis jetzt den Sprung an eine ganz große Institution aber noch nicht geschafft.
Ihr zur Seite gestellt wird (soll werden) Barrie Kosky, der zuletzt mehrfach in Salzburg (vor allem bei den Pfingstfestspielen von Cecilia Bartoli) inszenierte und seit seiner Intendanz an der Komischen Oper Berlin weltweit als Wunderwaffe für Direktorenjobs gilt. Allerdings hat er so viele Verpflichtungen als Regisseur, dass er mehrfach Angebote ablehnte. Sein Titel in Salzburg ist noch nicht ganz klar, trägt jedenfalls das Präfix „Co-“, er soll eine Art künstlerischer Berater sein. Klar ist, dass er nicht ins Direktorium aufgenommen wird, dass also De Lint die klare Nummer 1 sein soll. Gerüchteweise soll es überhaupt ein größeres Beratergremium geben, aber auch dessen Besetzung ist offen. Nicht Teil dessen dürfte Franz Welser-Möst sein, ebenso wenig wie die anderen Mitglieder der Findungskommission.
Apropos Direktorium: Diesem wird so gut wie sicher Kristina Hammer, die bisherige Präsidentin, weiterhin angehören. Ihr Mandat wird verlängert, auch dazu gibt es noch keine Bestätigung. Auf alle Fälle im Direktorium bleibt Lukas Crepaz als Finanzchef der Festspiele.
Wenn nun alles so kommt, gibt es im Direktorium auch nach Karin Bergmann eine weibliche Zweidrittel-Mehrheit. Das dürfte der Salzburger Landeshauptfrau Karoline Edtstadler, die maßgeblich an der Absetzung von Hinterhäuser beteiligt war, gefallen. Wie sich die neue Konstruktion künstlerisch bewährt – das wird wohl schon rasch Stoff für Spekulationen sein.
Source:: Kurier.at – Kultur



