Issa Remmo: Der Pate, der die Politik vorführt

Politik

Von Issa Remmo gibt es viele Aufnahmen. Eine, wo er die Berliner Staatsanwälte vor TV-Kameras als „Hurensöhne“ beschimpft, weil sie seinen Sohn wegen Mordes vor Gericht gestellt haben. Eine, wo er bei der Hochzeit eines anderen seiner acht Söhne Gästen Fünfhundert-Euro-Scheine ans Revers steckt. Und seit Sonntag gibt es noch eine: Remmo ist da auf der Wahlparty der Linkspartei zu sehen, die Finger lächelnd zum Siegeszeichen geformt.

Issa Remmo, Pate des Remmo-Clans, ist der wohl prominenteste Kriminelle Berlins. Wobei, will man korrekt sein, stimmt das nicht ganz: Der Libanese wurde, seit er in Deutschland ist – seit Mitte der 1980er – 19-mal verhört. Nachweisen konnte man ihm aber nie etwas. Seiner Familie durchaus: Mitglieder der 1.000 Personen zählenden Neuköllner Großfamilie haben einst eine 100-Kilo-Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum gestohlen und eingeschmolzen, auch der spektakuläre Einbruch ins Grüne Gewölbe in Dresden geht auf ihr Konto. 116 Millionen Euro waren die Geschmeide wert, die die Remmos dort klauten, dazu kommen Prozesse wegen Morden, Überfällen und Bankrauben. „Wenn man so viele Kinder hat, kann nicht jedes ein Engel sein“, sagte Issa Remmo lapidar dazu.

„Bruder, hilf mir mal“

Nun ist Pate Issa, der sich offiziell als Immobilienhändler gibt, plötzlich über Deutschland hinaus berühmt. Gut möglich, dass das seine Absicht war: Der 58-Jährige mit dem markanten Dreitagesbart wird gewusst haben, welche Folgen sein Foto haben wird. Er hat trotzdem in die Kamera gelächelt.

Es ist auch nicht das erste Mal, dass er und seine Leute die Nähe zur Politik suchen. Vor einem Jahr posierte der Unterweltboss, der auch einen schwarz-rot-goldenen Bundesadler samt Aufschrift „Ich bin ein Berliner“ auf der Brust tätowiert hat, bei einer Führung im Berliner Abgeordnetenhaus neben einem CDU-Politiker; der wollte später nicht gewusst haben, wer da neben ihm stand. Sohn Firas, der auf Instagram nicht nur eine Sammlung aus Verehrungsvideos für seinen Papa hat, sondern sich auch gern mit ausgewachsenen Tigern zeigt, postete danach ein Selfie mit Ex-SPD-Bürgermeister Michael Müller. Auch er habe keine Ahnung gehabt, wer das sei, sagte der später.

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Performative Kriminalität

Auch die Linkspartei argumentierte nach dem Foto-Eklat, man habe nicht gewusst, wer da mitfeiere. Den Remmos war das an Distanzierung zu viel: Firas, der Tigerfreund, veröffentlichte daraufhin kompromittierende Chats mit dem Linken-Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak, auch ein Sohn Neuköllns. Darin bat der Politiker den Remmo-Sohn, der wegen versuchter Hehlerei, versuchten Betrugs und Bedrohung vorbestraft ist, ein Video einer seiner Bundestagsreden zu verbreiten, in der er das Wort „Clankriminalität“ kritisiert. Es sei ein „politischer Kampfbegriff“ mit „rassistischer Geschichte“, sagt Koçak da. Im Chat schreibt er: „Bruder, hilf mir mal“ und „Grüße mit Respekt zurück an deinen Vater.“

Koçaks Nähe zum ältesten Clan-Spross hebt die Debatte auf eine neue Ebene. Die Remmos betreiben nicht nur „performative Kriminalität“, also Fotobombing von Politikern oder Insta-Protzerei mit Geld, exotischen Tieren und der Nähe zu Rappern, die sie beschützen (Bushido oder Capital Bra gehören zu ihren Klienten). Sie unterwandern Berliner Behörden und die Justiz, wie der Berliner Ex-LKA-Ermittler Klaus Nachtigall immer wieder in Interviews sagt. Als die Staatsanwaltschaft etwa jene Remmo–Brüder frühzeitig freiließ, die den Millionenschatz im Grüne Gewölbe geraubt hatten, …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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