Friedhöfe sterben aus: Was mit der Erinnerungskultur noch geht

Wirtschaft

Bald ist Allerheiligen, der Tag der Gräber und Kerzen. Und doch ist nicht mal mehr der Tod ein Geschäft. Dabei war er stets verlässlich: Gestorben wird immer und irgendwer verdiente daran auch immer. Doch der Glaube und die Erinnerungskultur schwinden, auch die Bräuche und Rituale, vor allem im urbanen Bereich. Große Beerdigungen werden seltener und mit ihnen gehen ganze Geschäftsfelder. Floristen verlieren ihr stabiles Standbein, Steinmetze setzen weniger Grabsteine, Friedhöfe bauen Flächen zurück, weil niemand mehr die Gräber pflegt. Und der Wirt beim Friedhofstor macht auch keine großen Umsätze mehr, sofern es ihn noch gibt.

Was damit verloren geht? Das Grab und sein Rundherum waren ein Symbol für Herkunft und Vermächtnis. Und der Wert eines Kranzes lag ja nie im Kranz selbst. Er lag in der Wertschätzung und dass man ein Zeichen setzt, wenn die Worte fehlen. Heute ersuchen viele um Spenden statt um Blumen: das ist vernünftig, in anderer Weise wirksam, aber eben auch unsichtbar.

Vielleicht hat die geringere Erinnerungskultur ja gar nichts mit Gleichgültigkeit, sondern mit einer neuen Ratlosigkeit zu tun. Man hält es kurz, distanziert und günstig. Und nimmt sich damit ein weiteres Stück Halt und Einbettung in einer ohnehin schon sehr losen Welt. Ob das ein Fortschritt ist, hängt davon ab, was an seine Stelle tritt. Bisher ist es wenig.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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