
Er ist einer der einflussreichsten und erfolgreichsten Top-Manager des Landes. Günter Geyer spricht im KURIER-Interview über Klimaschutz, Gesundheitswesen, Pensionen und welche Politiker er besonders schätzt.
KURIER: Was bedeutet die bisher schlimmste Hitze- und Dürreperiode für unsere Gesellschaft?
Günter Geyer: Die Hitzewelle ist nicht von heute auf morgen gekommen, sondern ist eine Entwicklung der letzten Jahre. Gott sei Dank gibt es immer weniger Zweifler daran, dass der Mensch dies sehr stark beeinflussen kann, positiv wie auch negativ. Die Bevölkerung gehört auf dieses Thema besser vorbereitet.
Wie? Können Sie bitte konkrete Bereiche nennen?
In mehrfacher Hinsicht. Etwa bei Wohnen und Gesundheit, hier sind Kühlungsmaßnahmen dringend notwendig. Die Industrie zur möglichen Vermeidung von klimaschädlichen Maßnahmen, beispielsweise die Zementerzeugung. Die Landwirtschaft ist heuer sehr stark betroffen und damit sehr wesentlich auch unser Essen. Daher gehört überlegt, ob die Landwirtschaft, vom Staat begleitet, schrittweise auf andere Produkte umstellen soll. Ich finde es sehr gut, was die Hagelversicherung unter ihrem Chef Kurt Weinberger macht. Hier wird Hilfe geboten, die vom Staat unterstützt wird.
Wollen Sie als Versicherer eine Zwangsversicherung?
Nein, ich bin nicht für eine Pflichtversicherung. Die Motivation für eine Versicherung muss verstanden und unterstützt werden.
Wer sich nicht versichert hat, sollte weniger an Staatshilfe bekommen? Sonst ist doch derjenige, der privat vorsorgt, der Dumme. So wie bei Naturkatastrophen, wo die Katastrophenhilfe um die Versicherungsleistung reduziert wird.
Man sollte deutlich den Unterschied spüren, ob ich versichert bin oder nicht. Wer selbst vorsorgt, sollte nicht benachteiligt werden. Wer nicht versichert ist, dem sollte man aber schon helfen, damit er nicht seine Existenz verliert.
Versicherungen sind durch Naturkatastrophen wirtschaftlich direkt von den Folgen des Klimawandels betroffen. Wäre ein Modell für Eigenheime, ähnlich der Hagelversicherung sinnvoll? Der ewig mit der Politik diskutierte gemeinsame Fonds wird doch ohnehin nichts.
Dass man den Menschen bei Naturkatastrophen eine Unterstützung bietet, wäre sicher sinnvoll. Ähnlich wie bei der Hagelversicherung, bei der der Staat einen Teil der Prämie übernimmt. Als Motivation und zur Vorbeugung. Ein Fonds sollte nur in Extremfällen Menschen helfen, die selbst nicht vorsorgen können.
Was sagen Sie zum Theater um das Klimaschutzgesetz? Haben Sie den Eindruck, dass die Politik überhaupt bereit ist, zu handeln?
Ich bin froh, dass es wenigsten so weit gekommen ist. Ob es zu den notwendigen Beschlüssen kommt, das ist eine zweite Frage. Verständlich, dass Feinheiten noch zu klären sind, aber ich hoffe sehr darauf. Ich würde sagen, beginnen wir mal, dann sieht man, wie man weiterkommt, ob 2040 oder 2050. Aber das ist nicht nur ein österreichisches, sondern ein EU-Thema.
Wie zufrieden sind Sie mit der Wirtschaftspolitik der Regierung?
Ich habe zwei Grundsatzwünsche. Einer ist die Motivation und die Unterstützung zu stärken, damit österreichische Firmen im Land bleiben. Der zweite Punkt ist das Sozialthema. Da meine ich insbesondere die Pensionen. Ich erwarte, dass die Regierung hier die Verantwortung auf sich nimmt und Vorkehrungen für die Zukunft trifft.
Was konkret schlagen Sie vor?
67 Jahre als Pensionsantrittsalter – natürlich abhängig vom Beruf. Und die andere Seite ist das Gesundheitswesen. Das System gehört vorbehaltlos durchdiskutiert und Maßnahmen gesetzt. Nicht so: Das macht die Gemeinde, das macht das Land und ein bisschen was macht der Bund.
Sollte …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



