Nach der Sturzflut: Wenn im Wasser die nächste Gefahr lauert

Politik

Michael Wolf packt noch seine Koffer, bevor es für ihn und seine beiden Kollegen Florian Wille und Christopher Bachtrog vom Roten Kreuz nach Kathmandu geht. Sie fliegen in spezieller Mission nach Nepal: sie sollen sauberes Trinkwasser gewährleisten und Toiletten bauen.

Sie versuchen damit möglichst viele Leben zu retten. Während noch immer Such- und Rettungsaktionen in Nepal laufen, könnte nach der eigentlichen Katastrophe eine weitere Gefahr ausbrechen: Krankheiten durch verunreinigtes Wasser.

65.000 Menschen brauchen Unterstützung bei Wasser, Sanitär und Hygiene

Knapp drei Wochen nach der katastrophalen Sturzflut im Himalaya gelten nach wie vor 5.800 Menschen als vermisst, es wurden schon 1.400 Tote gezählt. Neben Brücken, Straßen und ganzen Dörfern die weggeschwemmt wurden, ist auch lokale Wasserinfrastruktur wie Brunnen schwer beschädigt oder zerstört worden. Vor Ort brauchen geschätzte 65.000 Menschen Unterstützung im sogenannten WASH-Bereich – also in den Themen Wasser, Sanitär und Hygiene. Hier kommen die Österreicher ins Spiel.

„Wenn Fäkalien zum Trinkwasser kommen, weil sie zum Beispiel im Freien vom Regen zur nächsten Quelle gespült werden, kann es durch Kontamination zu Krankheitsausbrüchen kommen“, sagt Wolf.

Österreicher zuständig

Im internationalen Rotkreuz-Verbund ist das Österreichische Rote Kreuz seit Jahrzehnten für die Unterstützung bei Wasser-, Sanitär- und Hygieneproblematiken zuständig. Die Helfer haben mit ihren Spezial-Kenntnissen – etwa beim Nepal-Erdbeben im Jahr 2016 oder im Vorjahr im Gaza-Streifen – schon viele Leben gerettet.

Die Experten wissen nämlich: Enges Zusammenwohnen in Notunterkünften, zusätzlich der Nahrungs- und Wassermangel schwächen die Gesundheit der Menschen massiv – schon eine einfache Durchfallerkrankung kann in extremen Fällen zum Tod führen. Besonders betroffen sind immer Kinder und ältere Personen. Mögliche Epidemien machen die aktuell schon kritische Situation enorm gefährlich.

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Auch Schulungen

Was die größte Challenge am Beginn des Einsatzes in Nepal sein wird, wissen die drei Rot-Kreuzler aus Österreich noch nicht. Das kann nur vor Ort bewertet werden, wissen sie. Klar ist, ein großer Teil wird die Wasserverteilung, -speicherung und -aufbereitung sein. „Sauberes und sicheres Wasser sind besonders jetzt sehr wichtig“, betont Wolf immer wieder. Aber auch die Errichtung von Sanitäranlagen sowie Schulungen zu Hygienemaßnahmen stehen auf dem Plan. Der Einsatz ist für vier Monate geplant, der Wiederaufbau der Sturzflut-Gebiete wird mehrere Jahre dauern.

Wie heikle verunreinigtes Wasser sein kann, zeigen auch Erfahrungen von anderen Katastrophen aus der Vergangenheit. In Haiti ist zehn Monate nach einem starken Erdbeben 2010 Cholera ausgebrochen. 800.000 Menschen wurden infiziert, 10.000 sind gestorben. Die nepalesischen Behörden haben deswegen auch Cholera-Impfungen für 100.000 Menschen in Betracht gezogen.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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