Birgit Minichmayr dreht in Wien: Ein Film über Zivilcourage

Kultur

Datum: 12. Februar 1934. Schauplatz: Karl-Marx-Hof, mitten im roten Herzen von Wien. Zwei Kinder stehen am Fenster des zweiten Stocks und schauen hinunter. Ein Mann mit Gewehr in der Hand läuft im Hof vorbei und brüllt hinauf: „Geht’s weg vom Fenster!“ Dann fällt ein Schuss und er sinkt verletzt auf den Stiegen nieder. Mühsam schleppt er sich weiter in Deckung.

„Und Cut!“

Der Mann steht wieder auf, klopft sich die Hose aus und kehrt zurück in seine Position, umringt von einem Filmteam. Gefühlt zwanzig Mal wird er an diesem sonnigen Vormittag angeschossen auf den Stiegen des Karl-Marx-Hofes niedersinken. Nicht zuletzt deswegen, weil dazwischen versehentlich eine japanische Touristin durchs Bild marschiert.

Am Ende schließlich – für die Großaufnahmen! – tröpfelt ihm die Maskenbildnerin noch gut sichtbar Blut auf Hände und Beine.

Einmal noch „Cut!“ Und dann ist die Szene im Kasten.

Es ist der 29. von 30 Drehtagen zu dem Film „Im Verborgenen“. Regisseur ist Goran Rebić, der gemeinsam mit der Wiener Schriftstellerin Ljuba Arnautović (nein, nicht verwandt) ihren gleichnamigen Roman adaptierte.

„Im Verborgenen“ erzählt die dramatische Geschichte von Arnautovićs Großmutter, genannt Eva. Sie lebte mit ihrer Familie im Karl-Marx-Hof, der im Februar 1934 als Hauptschauplatz des österreichischen Bürgerkriegs unter der Dollfuß-Diktatur beschossen wurde. Als überzeugte Sozialdemokratin und durch ihren Partner mit dem verbotenen Republikanischen Schutzbund assoziiert, wurde sie 1934 verhaftet und gefoltert. Später kam sie frei und rettete jüdischen Menschen, die sie in ihrer Wohnung versteckte, das Leben.

Film über Zivilcourage

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Der Dreh geht weiter.

Diesmal wartet eine Frau im roten Mantel auf den Zuruf „Action!“. Dann stürmt sie mit einem weißen Taschentuch in der Hand aufgeregt den Karl-Marx-Hof entlang und verschwindet im Haus. Die zwei Buben im zweiten Stock sind ihre Kinder.

„Und Cut!“

Es ist Birgit Minichmayr, die da aufgelöst die Hausmauer entlang hastet. Sie hat die Hauptrolle der Eva Arnautović übernommen: „Heute werden die Februarkämpfe, die im Karl-Marx-Hof stattgefunden haben, gedreht, und ich versuche, meine Kinder und mich in Sicherheit zu bringen“, sagt die Burgschauspielerin zum KURIER: „Ich wollte unbedingt bei diesem Film dabei sein und habe mich ganz aktiv für diese Rolle bei Goran Rebić und der Produktionsfirma Amour Fou beworben. Eva Arnautović hat ein unglaublich bewegendes Leben geführt. Später wurde sie zur ältesten Maturantin Österreichs und hat sich mit einem Jusstudium, das sie auch abgeschlossen hat, ihren Lebenswunsch erfüllt.“

Für Birgit Minichmayr „Im Verborgenen“ ein „Film über Zivilcourage.“

Wien in Bratislava

Im Innenhof haben sich mittlerweile zwei slowakische Komparsen in ihrer Rolle als österreichische Soldaten positioniert. In Feldgrau und Stahlhelm warten sie auf ihren Einsatz. Tatsächlich wird auf dem Set in drei Sprachen gearbeitet: deutsch, englisch und slowakisch – denn „Im Verborgenen“ ist eine slowakische Koproduktion mit der Amour Fou Vienna. Dementsprechend ausführlich wurde auch in Bratislava gedreht, wo „baugleiche Gebäude wie in Wien stehen“, wie Produzent Alexander Dumreicher-Ivanceanu von der Amour Fou weiß: „Ein Architekt hat ein Haus gebaut und zwei Mal verkauft.“

Das kann auch Regisseur Goran Rebić bestätigen: „Man findet dort so vieles, was in Wien schon verschwunden ist – wie Türklinken, Straßenpflaster, Innenhöfe und Teppichstangen. Bratislava ist unser Wien geworden.“

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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