
Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Österreich ist in den ersten neun Monaten 2026 leicht zurückgegangen. Doch hinter der scheinbar positiven Entwicklung verbirgt sich eine besorgniserregende Tendenz: Immer mehr Firmen sind bereits bei der Insolvenz völlig mittellos.
5.115 Unternehmen gingen von Jänner bis September 2026 pleite – 41 Fälle weniger als im Vorjahreszeitraum, ein Minus von 0,8 Prozent. Das sind durchschnittlich 27 Insolvenzverfahren pro Werktag. Doch ein genauerer Blick auf die Zahlen des Gläubigerschutzverbands Creditreform zeigt: Die Qualität der Insolvenzen hat sich verschlechtert.
Mehr Firmen völlig mittellos
Die Zahl der mangels Vermögen abgewiesenen Verfahren stieg um 9,2 Prozent auf 2.193 Fälle. Das bedeutet: Bei fast 43 Prozent aller Pleiten reicht das Firmenvermögen nicht einmal mehr aus, um ein geordnetes Insolvenzverfahren zu eröffnen. Gleichzeitig gingen die regulär eröffneten Verfahren um 7,2 Prozent zurück.
„Der leichte Rückgang darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die wirtschaftliche Situation vieler Unternehmen weiterhin angespannt ist“, warnt Gerhard Weinhofer, Geschäftsführer von Creditreform. Die Betriebe kämpften mit hohen Kosten, schwacher Nachfrage und einem schwierigen internationalen Umfeld.
Bau und Gastronomie unter Druck
Besonders hart trifft es zwei Branchen: Das Bauwesen verzeichnete mit 666 Insolvenzen ein Plus von 2,8 Prozent. Die Insolvenzquote liegt hier bei 27,6 Fällen je 1.000 Unternehmen – fast doppelt so hoch wie der Gesamtdurchschnitt von 13,9 Fällen je 1.000 Unternehmen.
Auch die Gastronomie leidet: Im Beherbergungs- und Gaststättenwesen stiegen die Pleiten um 5,3 Prozent auf 620 Fälle. Die Insolvenzquote beträgt 14 Fälle pro 1.000 Unternehmen.
Demgegenüber entspannte sich die Lage im Handel (minus 7,3 Prozent), im Verkehrs- und Nachrichtenwesen (minus 11,3 Prozent) sowie im Kredit- und Versicherungswesen (minus 15,7 Prozent).
„Gerade bei Bauunternehmen und in der Gastronomie sehen wir, wie rasch sich eine angespannte Kostenstruktur in Liquiditätsprobleme verwandeln kann“, sagt Weinhofer.
Vorarlberg mit drastischem Anstieg
Regional klafft die Entwicklung weit auseinander. In Vorarlberg explodierten die Insolvenzen geradezu: plus 48,6 Prozent auf 156 Fälle. Auch in Kärnten (plus 14,0 Prozent) und der Steiermark (plus 13,4 Prozent) verschlechterte sich die Lage deutlich.
Tirol hingegen verzeichnete mit minus 33,4 Prozent den stärksten Rückgang, gefolgt von Salzburg (minus 14,8 Prozent) und dem Burgenland (minus 12,7 Prozent). Wien und Oberösterreich blieben mit jeweils minus 2,7 Prozent nahezu stabil.
Die Bundeshauptstadt weist mit 22,8 Insolvenzen je 1.000 Unternehmen allerdings weiterhin die mit Abstand höchste Quote auf – mehr als das Dreifache von Tirol (7,2).
Milliarden-Pleiten belasten Gläubiger
Trotz sinkender Fallzahlen bleibt das Schadenspotenzial einzelner Großinsolvenzen enorm. Die Laura Privatstiftung ging mit Verbindlichkeiten von rund 1,07 Milliarden Euro pleite, die LL-Resources GmbH mit 144,9 Millionen Euro und die EITEK GmbH mit 144,0 Millionen Euro.
Bei den Beschäftigtenzahlen führen WOLLSDORF LEDER SCHMIDT & Co. Ges.m.b.H. mit 361 betroffenen Mitarbeitern, Pollmann Austria GmbH mit 321 und EITEK GmbH mit 319.
Konjunktur erholt sich nur langsam
Die österreichische Wirtschaft kommt nach Einschätzung von Wirtschaftsforschern nur langsam aus der Schwächephase. Nach einem schwachen ersten Halbjahr soll die Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte 2026 wieder moderat wachsen. Die Inflation wird für das Gesamtjahr bei rund drei Prozent prognostiziert.
„Eine leichte konjunkturelle Verbesserung reicht noch nicht aus, um die Belastungen der vergangenen Jahre vollständig zu überwinden“, sagt Weinhofer. Für Unternehmen gelte: „Liquidität sichern, Kosten kontrollieren und Forderungsausfälle konsequent vermeiden.“
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



