Edin Hasanovic: „Nach acht Jahren wieder denselben Fehler gemacht“

Kultur

Aber hallo, dachte  man sich 2016, als ein gewisser Edin Hasanovic auf einer Fernsehbühne für  mächtig  Wind gesorgt hat. Der 23-Jährige wurde bei der Goldenen Kamera mit dem Nachwuchspreis geehrt und war sichtlich überwältigt. Das hielt ihn nicht davon ab, eine flammende Dankesrede zu halten – mit den einprägsamen Worten: „Ich brenne für meinen Beruf!“

Heute ist er als „Tatort“-Kommissar bei den höchsten Schauspielerehren, die es in  Deutschland gibt, angekommen. Dabei sei es nicht die erste Tatort-Anfrage gewesen, sagt er im Gespräch. 
 

„Die anderen zuvor hatte ich abgesagt. Hier kannte ich den Produzenten. Und Melika Foroutan war quasi meine erste Kollegin beim Film, sie kennt mich, seit ich 12 bin. Als es darum ging, wie wir das alles machen wollen, ging mein Herz auf. Keine Rolle war mir bisher so nah am Herzen.“

Da Hasanovic 1992 im bosnischen Zvornik geboren worden ist, war für ihn zunächst ein  weiter Weg zu gehen. Mitten in den Wirren des Jugoslawienkriegs flüchtete seine Familie mit ihm als Zweijährigen nach Berlin.

Kein Grab

Schon in seinem ersten Frankfurt-„Tatort“ als Hamza Kulina („Dunkelheit“) wurde dieses Thema behandelt. Hasanovic dazu: „Hamza hat in Srebrenica seinen Bruder verloren, der bis heute kein Grab hat, weil keine sterblichen Überreste gefunden wurden. Der Verantwortliche für diesen Völkermord, ein in Den Haag verurteilter Kriegsverbrecher, hat vor wenigen Wochen in Serbien so was wie ein Staatsbegräbnis bekommen. Man muss sich vorstellen: Das Land möchte in die EU, glorifiziert aber diesen Mann und verhöhnt die Opfer.“ 

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Gemeint ist der frühere bosnisch-serbische General Ratko Mladić, der als Hauptverantwortlicher für den Völkermord von Srebrenica (1995) verurteilt wurde.  „Da marschieren Tausende mit seinem Bild durch die Städte und schreiben darunter: ‚Held‘“, sagt Hasanovic. „Dass ich aber vor Millionen Zuschauern den Kindern, Müttern und Vätern, die auf schlimmste Art und Weise ihre Liebsten verloren haben, eine Stimme geben kann, macht mich sehr stolz. Ich freue mich, dass dadurch die Geschichte, so wie sie passiert ist, nicht vergessen wird.“

 
Tote in eigener Familie

Mehr als dreißig Jahre danach: Was man tun könne, damit diese Wunden irgendwann heilen können?

Hasanović sagt: „Die Wunden meiner Oma, die drei Söhne an einem Tag verloren hat und von denen bis heute keiner gefunden werden konnte, wird man nie heilen können. Die Verantwortlichen sollten Verantwortung übernehmen und zur Rechenschaft gezogen werden. Vor allem sollten sie sagen, wo so viele sterbliche Überreste liegen, damit bei den Hinterbliebenen endlich Gewissheit eintreten kann und die Toten ihre letzte Ruhe würdig bekommen können.“

„Challenge accepted!“

Im  Vorjahr wurde der Frankfurter „Tatort“ mit dem Team Azadi und Kulina völlig neu aufgestellt. Die beiden bilden ein „Cold Case“-Team, das mit  zielorientiertem Ermitteln und viel Empathie für Furore sorgt. Dafür gab es im Vorjahr den Grimme-Preis und den Deutschen Schauspielpreis für Hasanovic. Die Süddeutsche Zeitung schrieb: „Wahrscheinlich lernen wir auch diese beiden dann noch zu gut kennen, aber jetzt in diesem Moment ist es perfekt.“ 

Was Hasanovic daran „juckt“, ist „die Aussage, dass man sich an diesen Kommissaren wahrscheinlich irgendwann sattgesehen hat. Da denke ich mir: Challenge accepted! Möglicherweise ist es genau das, wonach sich die Leute gesehnt haben: zwei Ermittler, die …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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