
Andreas Vitásek hat keine Scheu, auch eigene Tiefschläge im Leben auf die Bühne zu bringen. Noch einer der harmlosesten: Er sei bei einer ORF-Chartshow der „lustigsten Österreicher“ auf Platz 19 gewählt worden – irgendwo zwischen Viktor Gernot und Ossy Kolmann.
Wesentlich schwerer wiegt da der Tod des Vaters.
In einer neuen Nummer schildert Vitásek, wie er noch schnell Socken habe organisieren müssen, weil beim Anziehen der Leich’ keine vorrätig gewesen seien.
Der rote Faden in „Wie es mir gefällt“ ist Andreas Vitásek. Für sein Jubiläumsprogramm zu 45 Jahren auf der Bühne und 70 Jahren im Leben wählte der Kabarettist Nummern aus vielen Schaffensphasen aus, um ein dichtes Gesamtbild seiner Persönlichkeit zu zeichnen. Hier mit fein ziselierten Strichen, dort mit dem Bihänder serviert. Und manchmal liegt beides gleich nebeneinander. Zum Beispiel bei diesem Zitat aus dem Programm „Austrophobia“ (2018): „Zu Hause ist dort, wo man gern kackt. Heimat ist dort, wo man begraben sein will.“
Er berichtet von frühen Aushilfsjobs – etwa als Weihnachtsmann im Großkaufhaus. Oder von einer U-Bahnfahrt, bei der der Kontrollor mit wissendem Blick an ihm vorüberschritt, worauf eine Dame meinte: „Aber den Herrn Vitásek müssen’s schon auch kontrollieren!“
Das goldene Wiener Herz ist eine Konstante des Programms – vorgetragen mit gewohnt feinem Wienerisch. Ständig entstehen Bilder im Kopf. Etwa, wenn Vitásek darstellt, wie in einem Tagtraum die Meeresbrandung unablässig heranrauscht, während sich langsam die Stimme des Lehrers herausschält, die den Andi aufweckt. Prüfungsfrage: „Welche Länder grenzen an Kärnten?“ Antwort: „Österreich?!“
Gut erfunden
Vieles ist gut erfunden. Etwa die Behauptung, er habe Udo Jürgens einst empfohlen, ein Lied über den Wein zu machen. Dieser habe geantwortet: „Komm, schenk’ dir ein.“
Teil 2 beginnt mit einem Klassiker aus 1991, dem „Wochenendvater“, in dem er die absurde Situation nach Trennungen in Reimform schildert. Einschneidend für Vitásek auch deswegen, weil er zum ersten Mal private Erlebnisse preisgab. Wie er dann erzählt, hat er sich als Scheidungskind für seinen Vater entschieden, weil der so „antiautoritär“ gewesen sei. Diese Eigenschaft habe sich später als simples „Desinteresse“ erwiesen. Manche Pointen sind bitter, aber Vitásek hat seit jeher seinen unverwechselbaren Charme als Gegenmittel parat. Mit seiner ausgefeilten Gestik entstehen wie von Zauberhand neue Situationen.
Man zweifelt in diesen zwei Stunden mit ungeheurer Pointendichte keine Sekunde daran, dass Vitásek noch mitten in seiner Karriere steht. In einem gedruckten Brockhaus – anhand dessen Abschaffung er auch den digitalen Wandel streift – wird man eine solche Info nicht mehr finden. Dafür hier. Falls aufmerksame Leser eine Nummer mit der legendären Todhandpuppe vermissen („Zippe Zappe“): Bei der Premiere in der Wiener Kulisse gab es keine. Dieses Programm soll aber ohnehin ständig im Fluss sein.
So wie es ihm gefällt, gefällt es jedenfalls auch dem jubelnden Publikum.
KURIER-Wertung: ***** von *****
Source:: Kurier.at – Kultur



