Was Rapid bei Rekord-Transfer Gulliksen übersehen haben könnte

Sport

3,8 Millionen Euro Ablöse, teuerster Transfer der Klubgeschichte – und nach einem Jahr noch kein Bundesligator. Viele meinen: Fehlkauf. Aber ist es so einfach?

Rückblick: Tobias Gulliksen war norwegischer U21-Teamspieler, stand mit Djurgården im Halbfinale der Conference League und wurde zum besten jungen Spieler des Bewerbs gewählt. Sportchef Markus Katzer hob bei seiner Verpflichtung seine Torgefahr und seine Qualitäten als Assistgeber hervor.

Schon 2023 erzielte Gulliksen für Bodø/Glimt fünf Tore bei nur 2,69 Expected Goals (xG). 2024 bei Djurgården passierte Ähnliches: fünf Ligatore bei 2,15 xG. Zwei Jahre hintereinander machte Gulliksen also deutlich mehr aus seinen Chancen, als statistisch zu erwarten war. Zufall – oder ist er tatsächlich ein so guter Vollstrecker?

Die wichtigen Fragen

Um das seriös bewerten zu können, braucht es Daten. Nicht weil sie verraten, welchen Spieler man kaufen soll. Aber sie können wichtige Fragen aufwerfen. Bei Gulliksen: Warum macht er mehr Tore, als seine Chancen erwarten lassen?

Noch bei Djurgården wurden seine Tore weniger, seine offensive Aktivität aber nicht. Er kam weiterhin auf 2,4 Abschlüsse pro 90 Minuten. Bei Rapid sank dieser Wert auf rund 0,7 – rund 70 Prozent weniger. Seine Ballkontakte im gegnerischen Strafraum sind gegenüber 2025 um knapp 60 Prozent zurückgegangen.

Das fehlende Bundesligator ist nur ein Teil der Geschichte. Im Fall von Gulliksen fällt eines konkret auf: Aktionsgrafiken, sogenannte „Heatmaps“, zeigen: Bei Djurgården war er viel häufiger in den offensiven Halbräumen präsent – also zwischen Flügel und Zentrum. Bei Rapid taucht er dort seltener auf und kommt dadurch weniger oft in jene Positionen, aus denen er zuvor torgefährlich wurde.

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Warum das so ist, können die Zahlen nicht beantworten. Sie zeigen das Problem – nicht die Ursache. Fakt ist: Seit Gulliksens Wechsel hat Rapid Trainer, Spielidee und taktische Grundordnung gewechselt. Es kann an seiner Rolle liegen, an Mitspielern, an der Spielidee – oder an ihm selbst.

Die Grundsatzfrage

Damit stellt sich eine Grundsatzfrage: Wie viel von der Leistung eines Spielers gehört tatsächlich ihm – und wie viel hängt von seiner Umgebung ab?

Darin liegt für mich ein häufiger Denkfehler bei Transfers: Wir kaufen einen Spieler und glauben, seine bisherige Leistung mitzukaufen. Aber seine Tore und Assists wechseln nicht mit.

Es reicht nicht zu wissen, was ein Spieler kann. Man muss verstehen, warum er es kann. Wo bekommt er den Ball? Welche Räume braucht er? Welche Rolle hilft ihm? Und vor allem: Kann der eigene Fußball ihm diese Bedingungen bieten? Hat man eruiert, warum ihn Bodø trotz seiner fünf Tore nach sechs Monaten mit einem Minus von 500.000 Euro wieder verkauft hat?

Die hohe Kunst

Bei Rapid geht es daher nicht nur um die Frage, ob Gulliksen funktioniert. Spannender ist, welche Annahme hinter dem Transfer sich bisher nicht erfüllt hat.

Jeder Profiklub hat Zugang zu Daten, Videos und internationalen Märkten. Einen Spieler zu finden, den sonst niemand kennt, wird immer schwieriger. Die hohe Kunst ist es daher, etwas in einem Spieler zu erkennen, das andere übersehen.

Wer für einen 22-Jährigen eine Rekordablöse bezahlt, kauft nicht nur das, was dieser Spieler bisher gezeigt hat. Er setzt auch darauf, dass der eigene Verein ihn besser machen und seinen Wert steigern kann.

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Source:: Kurier.at – Sport

      

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