Adieu, du altes Haus

Kultur

Insgesamt, wenn man ihre beiden Leben zusammenlegte, waren sie hier wohl die längste Zeit glücklich gewesen. Zufriedenheit war ein „Rentnerkonzept“ – sie hatten das echte „Glück“ gesucht und für einige Zeit als Familie auch gefunden. Vorbei. Die Ehe gibt es nicht mehr, die Kinder sind längst flügge.

„Haus, ich verkaufe dich.“ Mit diesem schlichten Satz, der doch einen Lebensabschnitt für immer abschließt, beginnt Eva Menasse ihren Roman „Alleinruhelage“. Sie beschreibt darin den Abschied von einem Ort, der viele Jahre Zeuge ihres Lebens war und Spuren aus ebendiesem trägt. Ein letztes Mal besucht die namenlose Icherzählerin, Wienerin, wie Menasse selbst, nun das Haus und hält Zwiesprache mit ihm.

Erinnert sich an das erste, langsame Annähern. Damals war das Internet noch jung und die Immobiliensuche eine tatsächliche Suche. Die Freunde aus dem Westen hatten es noch zehn Jahre nach der Wende einigermaßen abenteuerlich gefunden, dass sie ein Haus in der ehemaligen DDR kaufen wollte. Keiner aus dem Westen war jemals dort gewesen, abgesehen von ein paar geschäftstüchtigen Anwälten.

Das Haus, die „Datscha“, lag an einem See, romantisch. Sie suchte den Haken und es gab natürlich einen. Mehrere. Etwa die teils absurden bürokratischen Hürden.

Trotzdem, der Abschied fällt nun schwer. Nicht umsonst hat die Erzählerin bei früheren Verkaufsversuchen jedes Mal einen Rückzieher gemacht. Gejammert wird aber nicht. Sie hält Rückschau, erinnert sich an das eigene gelebte Leben, an die eigene jüdische Familiengeschichte, aber erzählt auch von deutscher Geschichte zwischen „Westen“ und „Osten“.

Wehmütig, aber niemals larmoyant, blickt sie mit leisem Witz zurück. Gerne einmal weniger hätte man allerdings gelesen, wie sie dabei deutschen Lesern Österreich erklärt.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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